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Rechtliche Grundlage

Wenn eine gefährliche Arbeit von einer Person allein ausgeführt wird, so hat der Unternehmer über die allgemeinen Schutzmaßnahmen hinaus für geeignete technische oder organisatorische Maßnahmen zu sorgen. Zu diesen Maßnahmen zahlen insbesondere Notruf- bzw. Überwachungsmöglichkeiten für allein arbeitende Personen.

Als „gefährliche Arbeiten“ werden solche Arbeiten bezeichnet, bei denen eine erhöhte oder sogar kritische Gefährdung aus dem Arbeitsverfahren, der Art der Tätigkeit, den verwendeten Stoffen oder aus der Umgebung gegeben ist, weil keine ausreichenden Schutzmaßnahmen durchgeführt werden können (siehe Vorschrift „Grundsätze der Prävention“ [BGR/GUV-R A1). „Erhöhte oder kritische Gefährdung“ wiederum heißt, dass die arbeitende Person Gefährdungsfaktoren ausgesetzt ist, die eine erhebliche Verletzung bzw. eine akute Beeinträchtigung der Gesundheit bewirken können. Die Person ist im Notfall nur eingeschränkt bzw. nicht mehr handlungsfähig (vgl. Tabelle 1).

 

Gefährdungsstufen

Um die Gefährlichkeit der Tätigkeiten von allein arbeitenden Personen beurteilen zu können, muss auch die Handlungsfähigkeit der Personen nach einem möglichen schädigenden Ereignis betrachtet werden. Hierzu hat sich eine Einteilung in die nachfolgenden Gefährdungsstufen bewährt: 

Gefährdungsstufe

Mögliche Verletzungsschwere und Handlungsfähigkeit

Gering

Gefährdungen, die bei der allein arbeitenden Person geringe Verletzungen bzw. geringe Beeinträchtigungen der Gesundheit bewirken können. Die Person bleibt handlungsfähig.

Erhöht

Gefährdungen, die bei der allein arbeitenden Person erhebliche Verletzungen bzw. akute Beeinträchtigungen der Gesundheit bewirken können.

Im Notfall bleibt die Person eingeschränkt handlungsfähig.

Kritisch

Gefährdungen, die bei der allein arbeitenden Person besonders schwere Verletzungen bzw. akute Beeinträchtigungen der Gesundheit bewirken können. 

Im Notfall ist die Person nicht mehr handlungsfähig.

Tabelle 1 Einteilung nach Gefährdungsstufe

 

Notrufmöglichkeit gemäß Gefährdungsstufe

Nach § 3 der Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ (BGV/GUV-V A1) hat der Unternehmer die mit der Alleinarbeit verbundenen Gefährdungen zu ermitteln und die Arbeitsbedingungen zu beurteilen. Auf Grundlage der Beurteilung sind geeignete Maßnahmen vorzusehen und zu dokumentieren.

Sofern die Gefährdungsstufe als gering eingeschätzt wird, die Person also nach einem schädigenden Ereignis (z. B. einem Unfall) handlungsfähig bleibt, reicht der Einsatz einer Meldeeinrichtung gemäß Tabelle 2 aus.

Sofern die Gefährdungsstufe als erhöht eingeschätzt wird, die Person also nach einem schädigenden Ereignis (z. B. einem Unfall) nur eingeschränkt handlungsfähig bleibt, so ist zu prüfen, welche Meldeeinrichtung noch zulässig ist. Gegebenenfalls ist eine Personen-Notsignal-Anlage nach BGR 139 in Betracht zu ziehen oder die Anwesenheit einer zweiten Person ist unumgänglich.

Sofern die Gefährdungsstufe als kritisch eingeschätzt wird, die Person also nach einem schädigenden Ereignis (z. B. einem Unfall) handlungsunfähig ist, so ist eine PNA zu verwenden, die den Anforderungen der BGR 139 entspricht oder die Anwesenheit einer zweiten Person ist erforderlich.

Meldeeinrichtung

Gefährdungsstufe

Gering

Erhöht

Kritisch

Leitungsgebundenes Telefon

X

Stationäre Rufanlage

X

Schnurloses Telefon

X

X

Mobiltelefon

X

X

Sprechfunkgerät

X

X

Zeitgesteuerte Kontrollanrufe

X

X

Totmannschaltung

X

X

Videoeinrichtung Dauerbetrieb

X

X

X

Personen-Notsignal-Anlagen PNA 11

X

X

X

Personen-Notsignal-Anlagen gemäß BGR 139

X

X

X

Tabelle 2 Auswahlmöglichkeiten von Meldeeinrichtungen

Bei der Auswahl und beim Einsatz von Meldeeinrichtungen sind insbesondere folgende Kriterien zu beachten:

  • Eignung der Meldeeinrichtung für den vorgesehenen Einsatzzweck.
  • bestimmungsgemäße Benutzung entsprechend den Vorgaben des Herstellers.
  • Erstellung einer Betriebsanweisung (mit Verhaltenshinweisen bei Funktionsstörungen der Meldeeinrichtung.
  • erstmalige und wiederkehrende Unterweisung der Anwender entsprechend der Betriebsanweisung.
  • regelmäßige Prüfung der Meldeeinrichtungen.

 

Personen-Notsignal-Anlagen die öffentliche Kommunikationsnetze nutzen (PNA-11)

Personen-Notsignal-Anlagen, die öffentliche Telekommunikationsnetze nutzen (PNA-11)
Anlagen zum Auslösen und Übertragen von willensabhängigen und willensunabhängigen Alarmen in Notfällen. Diese Personen-Notsignal-Anlagen bestehen aus Personen-Notsignal-Geräten (PNG-11,Somin Handy), die unter Nutzung öffentlich zugänglicher Netze mit einer Empfangseinrichtung (EE, motec-data Serverportal) in Verbindung stehen.

Personen-Notsignal-Geräte (PNG-11); Sonim Handys
Von gefährdeten Personen zu tragende Geräte, die im Notfall willensabhängig und willensunabhängig in der Empfangseinrichtung (EE; motec-data Serverportal) einen Personen-Alarm auslösen sowie zusätzlich im Notfall eine Sprechverbindung aufbauen.

Empfangseinrichtung (EE; motec-data Serverportal)
Einrichtung in der Notsignale der Personen-Notsignal-Geräte (PNG-11; Sonim Handy) können so empfangen, dargestellt und bearbeitet werden, dass eine sichere unverzügliche Einleitung von Hilfsmaßnahmen ermöglicht wird.

 

 Anforderungen PNA-11

Eine PNA-11 besteht aus mindestens einem PNG-11 und der Empfangseinrichtung (EE).

Aufgabe einer Personen-Notsignal-Anlage (PNA-11) ist es, für in Not geratene Personen bei Alleinarbeiten durch Auslösen und Übertragen von willensabhängigen und willensunabhängigen Personen-Alarmen unverzüglich Hilfe herbeizurufen sowie im Notfall zusätzlich eine Sprechverbindung aufzubauen. Der Personen-Alarm wird drahtlos zu einer Empfangseinrichtung (EE) übertragen.

Ein PNG-11 muss die Merkmale gemäß DIN V VDE V 0825-11 erfüllen, unter anderem:

  • Einrichtung zur willensabhängigen und mindestens eine Einrichtung zur willensunabhängigen Alarmauslösung.
  • Auslösen der Alarme innerhalb eines bestimmten Zeitfensters
  • Voralarm, der vor Auslösen des willensunabhängigen Alarms auftritt.
  • Bei ausgelöstem Alarm muss die Lokalisierung in der EE erfolgen.
  • Das Rücksetzen des Personen-Alarms am PNG-11 darf erst nach eingegangener Empfangsbestätigung in der EE erfolgen.
  • Überwachung der Verfügbarkeit des öffentlich zugänglichen Funknetzes; bei nicht gegebener Verfügbarkeit muss dies durch das PNG-11 akustisch signalisiert werden.
  • Die Energieversorgung für das PNG-11 muss mindestens 12 Stunden uneingeschränkten Betrieb ermöglichen.
  • Die Notsignaltaste muss die Farbe „Rot“ haben.
  • Das PNG-11 darf nur durch autorisierte Personen parametriert werden.
  • Das PNG-11 muss eindeutig gekennzeichnet sein sowie widerstandsfähig gegen mechanische und klimatische Einwirkungen sein (siehe DIN V VDE V 0825-11:2006)

 

Zusätzliche Anforderungen beim Einsatz von Personen-Notsignal-Anlagen unter Nutzung öffentlicher Telekommunikationsnetze  (PNA-11) bei gefährlichen Alleinarbeiten. 

Sofern sichergestellt ist, dass eine PNA-11 durch die Verwendung zusätzlicher und ständig vorhandener technischer Einrichtungen als Gesamtheit den Anforderungen der Regel „Einsatz von Personen-Notsignal-Anlagen“ (BGR 139) entspricht, so ist deren Einsatz auch bei gefährlichen Alleinarbeiten möglich. 

Insbesondere müssen folgende Anforderungen erfüllt sein:

  • Zuverlässige ständige Funkversorgung (z. B. durch separate Funkzelle) durch Funkfeldausmessung im gesamten abzusichernden Bereich;  das Verlassen dieser separaten Zelle muss akustisch durch das PNG-11 angezeigt werden.
  • Auslösezeit für willensabhängigen Alarm (Druckalarm) ≤ 2 s (ohne Sprechverkehr).
  • Rettungskette gewährleistet die Hilfeleistung innerhalb von weniger als 15 Minuten.
  • Ausreichend manipulationssicher in Bezug auf sicherheitsrelevante Funktionen. 

Die Übereinstimmung mit den Anforderungen der Regel „Einsatz von Personen-Notsignal-Anlagen“ (BGR 139) ist durch eine sachverständige Person, z. B. durch motec-data, schriftlich zu bestätigen und beim Unternehmer aufzubewahren. 

Für den Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen müssen Personen-Notsignal-Geräte der Verordnung über das Inverkehrbringen von Geräten und Schutzausrüstungen für explosionsgefährdete Bereiche (Explosionsschutzverordnung – 11. GPSGV) entsprechen.